Besuch des Bischofs

875 Jahre Vöhringen

Anlässlich des 875-jährigen Jubiläums der Stadt Vöhringen hat Bischof Dr. Bertram Meier in einer Festveranstaltung am vergangenen Montag den 1812 in Vöhringen gestorbenen Priester Johann Michael Feneberg gewürdigt. Feneberg gilt als wichtiger Vertreter der katholischen Allgäuer Erweckungsbewegung und als Freund und Anhänger von Johann Michael Sailer, über den Bischof Bertram seine Dissertation geschrieben hatte. Der Bischof bezeichnete Feneberg als einen der Menschen, „die wie ein Bergkristall das göttliche Licht brechen, Lehr- und Lebensmeister von Glaube, Hoffnung und Liebe sind.“

Bei der vorhergehenden ökumenischen Vesper in der Michaelskirche sprach der Bischof der Stadt Vöhringen seine Segenswünsche zum Jubiläum aus und betonte, dass die "Türen der Sakramente" so offen wie möglich gehalten werden müssten: "Die Kirche ist keine Zollstation. Sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden."

Diese Offenheit der Kirche sei bereits für den Priester und einstigen Pfarrer von Vöhringen, Johann Michael Feneberg, sowie für dessen Mentor Johann Michael Sailer ein Thema gewesen, erläuterte Bischof Bertram in einem anschließenden Vortrags- und Diskussionsabend im gut besuchten Vöhringer Josef-Cardijn-Haus. Die von Feneberg mitbegründete Allgäuer Erweckungsbewegung, die sich als geistliche Erneuerungsbewegung Ende des 18. Jahrhunderts vom Allgäu aus ausbreitete, deute auch in die Gegenwart: "Die Verschmelzung von Himmel und Erde in der Menschwerdung Gottes ist eben nicht ein für alle Mal abgeschlossen in Jesus von Nazareth, sondern will sich immer wieder neu ereignen, in jedem Menschen, der sich für Gottes Wunder öffnet! Die Pro-Existenz Christi, wie sie die Theologie entfaltet, das Für-andere-Dasein führt unmittelbar in das caritativ-diakonische Handeln und bildet das notwendige Gegengewicht zur Verinnerlichung in Gebet und Meditation, wie sie in vielen geistlichen Texten der Protagonisten der Erweckungsbewegung - und heutiger charismatischer Gruppierungen - durchscheint. Ja, ich würde sogar behaupten, nur das Zusammenkommen von actio, tatkräftiger Hilfe, und contemplatio, gemeinsamem Lobpreis und stiller Anbetung bzw. innerem Gebet, sind ein Ausweis echter, evangeliumsgemäßer Frömmigkeit.

In einer abschließenden Diskussion mit dem Vöhringer evangelischen Pfarrer Jochen Teuffel ging es um die Chancen und Herausforderungen der Ökumene. Dabei stand besonders die Frage nach dem Empfang des Altarsakraments für evangelische Christen beziehungsweise der Teilnahme katholischer Christen am Abendmahl im Mittelpunkt - eine Frage, die auch in der konfessionsverbindenden Familie des Bischofs immer wieder gestellt wurde, wie dieser betonte.

Johann Michael Feneberg (1751-1812) wuchs als Sohn eines Wirts in Marktoberdorf auf und trat als 18-Jähriger in das Jesuitennoviziat in Landsberg ein, wo er eine lebenslange Freundschaft mit dem ebenfalls dort studierenden ung gleichaltrigen Johann Michael Sailer schloss. Nach der Auflösung des Jesuitenordens 1773 musste der weitgehend mittellose Feneberg sich das Theologiestudium durch Nebentätigkeiten selbst finanzieren, bis er 1775 schließlich die Priesterweihe empfangen konnte. Als Gymnasiallehrer in Dillingen folgte er den reformpädagogischen Bestrebungen Sailers, der zeitgleich an der dortigen Universität lehrte. Als Pfarrer von Seeg schloss er sich schließlich der Allgäuer Erweckungsbewegung an und wurde eine ihrer führenden Figuren. 1805 wurde Feneberg, der sich selber nach dem unfallbedingten Verlust eines Beines scherzhaft auch als "Stelzenmichel" bezeichnete, zum Pfarrer von Vöhringen ernannt, wo er sieben Jahre später verstarb. Sein langjähriger Freund und späterer Biograph Johann Michael Sailer (1751-1832) wurde 1829 zum Bischof von Regensburg ernannt und gilt als einer der Begründer der Pastoraltheologie.

Pressestelle Diözese Augsburg
26.06.2023
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Bischof Dr. Bertram Meier