Ostern: Fakten, Fakten, Fakten....

Warum tun sich viele so schwer mit der Auferstehung von Jesus Christus? Warum zweifeln ausgerechnet Theologen an der historischen Glaubwürdigkeit? Dabei stehen wir bei den Osterberichten der Bibel auf dem Boden der Tatsachen. Kommentar von Peter Hahne

... das mit der Ausgangssperre zu Ostern hat noch nie funktioniert!

 

Meine Schulkameraden wissen das zum Teil heute noch. Selten war eine Latein-Doppelstunde in unserer Pennäler-Laufbahn so kurzweilig und voller Spannung. Ein Hauch von „Feuerzangenbowle“ lag in der Luft, und ich durfte sozusagen den „Pfeiffer mit drei F“ unseres Humanistischen Gymnasiums spielen. Schuld daran war ein katholischer Historiker. Wir lasen kurz vor Ostern „De Bello Gallico“, den Bericht des römischen Feldherrn Gaius Iulius Caesar über den Gallischen Krieg (58-50 v. Chr.). Wenn es nicht auf Lateinisch wäre und wir mit Auswendiglernen und Klassenarbeiten darüber traktiert worden wären, es hätte noch spannender sein können. Nun ja, irgendwann ließ unser Pauker so nebenbei fallen, wie „cool“ (würde man heute sagen) doch dieses Kriegstagebuch des großen Feldherren sei gegenüber dem, was uns da in Sachen Auferstehung Jesu Christi in der Bibel geboten wird. Klar: bei Caesar sei Denken, bei Bibel Glaube gefragt, also die klassische Differenz von Verstand und Glauben, von Realität und Fiktion, von Tatsachen und bloßem Fürwahrhalten.

Wenn ich mich jetzt nicht melde, verleugne ich die Tatsache meines Glaubens, schoß es mir durch den Kopf. Mit neun Jahren hatte ich mich schließlich bewußt zu Christus bekehrt. So eröffnete ich den doppel-stündigen Zweikampf, der einen sprachlosen Lehrer zurückließ. Pulverdampf lag in der Luft! Jahrzehnte später saß der pensionierte Pauker oft unter meiner Kanzel, wenn ich, vom ZDF in Mainz kommend, meine traditionelle Weihnachtspredigt in meiner Heimatstadt hielt. Wie sagt Jesus: „Wer mich bekennt vor den Menschen....“ (Matthäus 10, 32). Und mein Bekenntnis damals lautete: „Der biblische Bericht von Ostern ist tausendmal glaubwürdiger als alles, was dem guten Caesar da zugeschrieben wird.“ Bei Caesar ist heute noch umstritten, wer da was wann und wie aufgeschrieben hat. Bei Jesus Christus wissen (!) wir, wie wir dran sind.

Warum? Der erste Bericht von der Auferstehung wurde festgehalten, als viele Zeugen noch lebten. Nirgends in der antiken Literatur liegen Ereignis und Niederschrift so eng beieinander. Der Apostel Paulus berichtet im 15. Kapitel seines Ersten Korintherbriefes über das Geschehene. Dieser Brief wurde etwa 55 n.Chr. abgefaßt, also ca. 20 Jahre nach dem Ereignis. Man hätte also die Zeugen UND die Kritiker (die es damals ja gab, selbst die Bibel berichtet ja ganz offen davon!) befragen können, ihre Glaubwürdigkeit unter die Lupe nehmen und das leere Grab in Jerusalem besuchen können. Caesars Elefanten-Marsch über die Alpen müssen wir glauben, Jesu Auferweckung können wir wissen....

Au weia, es gab ein Hin- und Her, ein cooles Wortgefecht und die heimliche Frage meiner Mitschüler: Wer verläßt denn wohl als Sieger das Schlachtfeld um den Gallischen Krieg und das Auferstehungswunder. Ich wollte ja nicht siegen im klassischen Sinne, aber meinen Glauben verteidigen. Und ich hatte es schon als Schüler satt, dass ein gläubiger Mensch auf der Verliererseite steht, nur weil ihm die Argumente fehlen. Das hat mich immer umgetrieben (deshalb Theologiestudium!), warum Christen im großen Streit der Weltanschauungen immer so schnell klein beigeben. Woher hatte ich meine Argumente? Ich hatte kurz vor der Caesar-Lektüre bei der protestantischen Bekenntnisbewegung einen Vortrag des katholischen Historikers Hugo Staudinger gehört (der dann 1974 auch als Buch erschien): „Die historische Glaubwürdigkeit der Evangelien.“ In aller Ruhe und so sachlich, wie ich es als Hitzkopf kaum vermag, nahm dieser hochrangige Wissenschaftler sich die „Theologen“ der sogenannten Historisch-Kritischen-Methode zur Brust und sezierte deren „Argumente“ messerscharf.

Wie Jahrzehnte später Josef Ratzinger als Papst Benedikt XVI. in seinen drei Jesus-Büchern auch. Er tat das bei den Wundergeschichten genauso wie bei den beschriebenen Lebensstationen von Jesus Christus. Doch im Mittelpunkt stand ausgerechnet die Glaubwürdigkeit der Texte rund um die Auferstehung. Er wagte sich also an das größte Verstandesproblem des gesamten Glaubens. Ich weiß noch, wie mucksmäuschenstill es in der Aula des Gynmasiums im ostwestfälischen Lübbecke war. Den Schüler Peter Hahne hat diese Lektion zutiefst beeindruckt. Ich brauche also meinen Verstand nicht an der Garderobe abzugeben wie den Wintermantel damals an jenem Februar-Abend. Ich kann sogar noch fröhlicher als bisher singen:

Ich weiß woran ich glaube, Ich weiß, was fest besteht, Wenn alles hier im Staube Wie Sand und Staub verweht; Ich weiß was ewig bleibet, Wo alles wankt und fällt, Wo Wahn die Weisen treibet, Und Trug die Klugen prellt.

Ich brauche mich nicht mehr von Trug und Wahn angeblicher Wissenschaftlichkeit blenden zu lassen. Klar, der Zweifler gilt landläufig immer als klug und weise. Der Gläubige scheint immer der Dumme. Doch warum sind Christen oft so feige, in die intellektuelle Offensive zu gehen?! Wer die Bibel liest, steht auf dem Boden der Tatsachen. In ihr geht es um Fakten, Fakten, Fakten. Hinter jeder Bibel steckt ein kluger Kopf. Ganz gleich, ob Hoch- oder Klippschul-gebildet. Ob Hausfrau oder Ärztin, ob Lehrer oder Schüler, ob die Oma in der Bibelstunde oder der Teenie im Jugendkreis: wer die Bibel mit wachem Verstand liest, hat immer die besseren Argumente. Der christliche Glaube basiert nicht auf Märchen und Legenden. Jesus erzählt keine Geschichten, er schrieb Geschichte. Und das vor allem am Ostermorgen, drei Tage nach seinem grausamen Kreuzestod. Er ist nicht auferstanden in der Phantasie seiner Jünger, in den Legenden der Urgemeinde oder wie all die schwachsinnigen Argumente so lauten. Seine Auferweckung ist Realität. Weil das Grab wirklich leer ist, dürfen wir voll Hoffnung sein. Auch Ostern 2021. Denn Glauben heißt: wissen, was trägt.

Quelle: www.kath.de
30.03.2021
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